„Au Backe – Zahnbehandlungen können ein Vermögen kosten“ – Expertengespräch der ERGO Versicherungsgruppe

Ein schönes Lächeln ist so etwas wie die Visitenkarte eines Menschen. Gesunde Zähne gelten als Merkmal eines gepflegten Erscheinungsbildes und tragen erheblich zur Lebensqualität bei. Doch ein makelloses Gebiss wird immer mehr zum Luxus, denn für Kronen, Brücken und Implantate fallen mitunter Tausende von Euro an. Die Kassen bezahlen seit einigen Jahren nur noch einen Zuschuss, der oft nur einen Bruchteil der Kosten abdeckt. Mit einer privaten Zusatzversicherung kann man sich vor hohen Zuzahlungen schützen. Für wen sich ein solcher Vertrag lohnt, erklärt Dr. Wolfgang Reuter, Experte bei der DKV Deutsche Krankenversicherung.

Mit der Gesundheitsreform 2005 ist die Selbstbeteiligung bei zahnärztlichen Behandlungen deutlich gestiegen. Was zahlen die Kassen überhaupt noch?
Seit 2005 zahlen die Kassen für Zahnersatz keinen prozentualen Anteil mehr, sondern einen festen Zuschuss, der rund die Hälfte der so genannten „Regelversorgung“ abdeckt. Den Rest muss der Versicherte selbst tragen. So bezahlt die Kasse zwar die reinen Kontrollbesuche; und auch das Entfernen von Karies und einfache Zahnsteinentfernung (ein Mal jährlich) sowie Wurzel- oder Zahnfleischbehandlungen werden meist voll übernommen. Doch schon bei einer nötigen Füllung können für den Patienten erhebliche Kosten entstehen: Denn während eine Amalgam-Füllung den Patienten noch immer nichts kostet, muss er für ein Gold-Inlay häufig bis zu 500 Euro zuzahlen, für die Keramikvariante unter Umständen sogar noch mehr. Auch bei einer Krone fällt eine deutliche Finanzierungslücke an: Die Kassen schießen in diesem Fall rund 150 Euro zu. Tatsächlich kostet eine hochwertige Krone aber bis zu 1.000 Euro. Der Versicherte hat so zwar weiterhin grundsätzlich die freie Wahl: Einfache Brücke oder edles Implantat, Krone aus Metall, Gold, mit oder ohne Keramik-Überzug. Die Kasse aber leistet immer nur denselben Zuschuss. Das heißt: Wer bessere Qualität will, muss entsprechend tiefer in die eigene Tasche greifen.

Gelten bei Kindern dieselben Regeln? Oder übernehmen die Kassen bei Minderjährigen noch weitere Leistungen?
Grundsätzlich gelten für Kinder dieselben Regeln wie für Erwachsene. Bei einem Loch im Milchzahn gibt es demnach grundsätzlich folgende zwei Möglichkeiten: Entweder man entscheidet sich für eine Standardfüllung, die von der Kasse übernommen wird; oder es soll eine hochwertigere Kunststofffüllung sein – dann allerdings mit Zuzahlung. Eine private Zusatzversicherung kann sich also auch schon für Kinder lohnen. Es ist aber richtig, dass die gesetzlichen Kassen bei Minderjährigen einige Sonderbehandlungen übernehmen: So können sie bei schwerwiegenderen Indikationen kieferorthopädisch behandelt werden. Zudem haben sie Anspruch auf prophylaktische Leistungen: Zum Beispiel eine Versiegelung der kariesanfälligen Backenzähne, eine Fluoridierung zur Kräftigung des Zahnschmelzes sowie wiederholte Mundhygiene-Unterweisungen.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, eine private Zahnzusatzversicherung abzuschließen?
Eine private Zahnzusatzversicherung lohnt sich für jeden, der mehr als eine Mindestversorgung beim Zahnarzt will. Vor allem wenn teure Prothesen oder Implantate nötig sind, macht sich ein solcher Zusatzvertrag schnell bezahlt: Damit lässt sich die Finanzierungslücke schließen, sodass der Patient nur noch eine geringe Zuzahlung leisten muss. Je nach Tarif werden von einer privaten Zusatzversicherung bis zu 90 Prozent der Kosten für Zahnersatz, Kronen oder Implantate und bis zu 100 Prozent für eine Zahnbehandlung erstattet. Wer auf diesen Schutz nicht verzichten will, sollte möglichst früh eine solche Zusatzversicherung abschließen. Am besten ab Geburt und nicht erst, wenn die erste „Großbaustelle“ im Gebiss anfällt. Denn für bereits eingetretene Schäden, geplante oder angefangene Behandlungen muss der Versicherer nicht aufkommen und Fehlbildungen der Kiefer können schon auftreten, bevor der erste Zahn zu sehen ist. Außerdem spielen Krankengeschichte und Alter des Versicherten bei der Berechnung der Beitragshöhe eine Rolle. Zudem können die Versicherer Risikozuschläge erheben.

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