„Altersarmut bleibt weiblich“ – Expertenrat der ERGO Versicherungsgruppe

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Gesetzliche Altersrenten für Frauen in Deutschland sind im Durchschnitt nur etwa halb so hoch wie Renten für Männer. Auch wenn sich die Abstände allmählich verringern, rechnen Experten in der gesamten Altersvorsorge weiter mit einer „weibliche Rentenlücke“ in Billionenhöhe. Die Folge: Gerade Frauen sind von Altersarmut bedroht. Sie sollten sich daher verstärkt mit ihrer finanziellen Situation im Alter beschäftigen, rät Tatjana Höchstödter, Expertin für private Altersversorgung bei der ERGO Versicherungsgruppe.

Warum sind die Unterschiede zwischen Männer und Frauen in der gesetzlichen Rente so groß?
Dafür gibt es mehrere Ursachen. Hauptursache ist nach wie vor, dass Frauen im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienen als Männer und damit weniger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Hinzu kommen lange Unterbrechungen: Immer noch kümmern sich vor allem Frauen um die Erziehung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen. Gerade in der für die Altersvorsorge wichtigen Phase der Lebensmitte, also zwischen 30 und 59 Jahre, sind zwei Drittel der Frauen entweder Teilzeit oder gar nicht beschäftigt. Wenn sich eine Hausfrau jahrelang um Familie und Haushalt kümmert, verdient diese Tätigkeit hohe gesellschaftliche Anerkennung. Der gesetzliche Rentenanspruch daraus ist allerdings gering bis gar nicht existent. Problematisch ist auch, dass in dieser Zeit die private Vorsorge häufig nicht aufrecht erhalten werden kann, weil das Geld fehlt.

Was können Frauen tun, um ihre finanzielle Versorgung im Alter zu sichern?
Ein erster Schritt sollte es sein, mögliche Erziehungszeiten für die Bemessung der gesetzlichen Rente berücksichtigen zu lassen. Ein Beispiel: Für Kinder, die 1992 oder später geboren worden sind, werden dem Elternteil, der die Kinder hauptsächlich betreut hat, drei Jahre Beitragszeit nach dem Durchschnittseinkommen gutgeschrieben. Damit die Kindererziehungszeiten im Versicherungskonto berücksichtigt werden, ist es erforderlich, einen Antrag beim Rentenversicherungsträger zu stellen.

Das allein dürfte aber kaum reichen, um die Altersvorsorge spürbar zu verbessern.
Nein, ebenso notwendig ist es, privat fürs Alter vorzusorgen. Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der ERGO Versicherungsgruppe hat ergeben, dass Frauen am häufigsten aus Geldmangel nicht privat fürs Alter vorsorgen. Dabei muss dies nicht teuer sein, wie das Beispiel Riester-Rente zeigt. Um in den Genuss staatlicher Zulagen zu kommen, müssen mindestens vier Prozent des Vorjahreseinkommens in den Vertrag eingezahlt werden. Dies ist für Frauen gerade dann attraktiv, wenn sie Teilzeit arbeiten und ihre Kinder in den Vertrag aufnehmen. Durch die staatliche Grundzulage in Höhe von 154 Euro und Kinderzulagen von bis zu 300 Euro pro Kind bleibt unterm Strich ein relativ geringer Eigenbeitrag.

Was empfehlen Sie jungen Frauen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen und für die Kinderbetreuung erst in einigen Jahren ein Thema sein wird?
Berufsanfängerinnen sollten die Jahre, in denen sie voll arbeiten, auf jeden Fall für die Altersvorsorge nutzen, etwa für eine private Rentenversicherung. Wenn später das Einkommen sinkt, ist es möglich, den Beitrag anzupassen oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Gerade für gutverdienende Berufsanfängerinnen kann eine abgekürzte Beitragszahlungsdauer von Vorteil sein: Der monatliche Beitrag beispielsweise für eine Rentenversicherung liegt dann zwar höher. Aber auf diese Weise wird gleich zu Anfang vergleichsweise viel Kapital angespart. Dadurch fällt über die Zeit der Zinseszinseffekt stärker aus. Dies wiederum ist dann ein Ausgleich dafür, dass die Beitragszahlung deutlich früher endet, beispielsweise schon nach 10 statt nach 40 Jahren und somit trotzdem die gleiche Rentenleistung finanziert wird. Auf diese Weise können Frauen schon in jungen Jahren dafür sorgen, dass sie im Alter finanziell auf der sicheren Seite sind.

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