Tausende Todesfälle durch Behandlungsfehler im OP

12. Berliner Dialog der KKH-Allianz: Mehr Patientensicherheit in Deutschland

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 40.000 Behandlungsfehler geltend gemacht – die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. Studien zufolge sind sogar rund 17.000 Todesfälle jährlich aufgrund einer falschen Behandlung im Krankenhaus zu verzeichnen – dreimal mehr als Verkehrstote. Angesichts dieser hohen Fehlerquote fordert Ingo Kailuweit, Vorstandschef der KKH-Allianz: „Für jedes Flugzeug, für jedes Kernkraftwerk gibt es strengste Sicherheitsstandards, aber für die Behandlung am menschlichen Körper gelten diese nicht. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Operation am offenen Herzen!“
Deshalb plädiert der Kassenchef dafür, dass verschärfte Sicherheitsvorkehrungen auch Einzug in Krankenhäuser und Arztpraxen halten sollten: „Es geht hier schließlich um Menschenleben!“ Zudem müsse das Thema Behandlungsfehler endlich enttabuisiert werden: „Unsere derzeitige Fehlerkultur trägt leider nicht zu einer lückenlosen Aufklärung von Fehlerquellen bei“, kritisiert der Kassenchef. „Ein zentrales Melderegister für Behandlungsfehler, wie es der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, fordert, wäre deshalb richtig und sinnvoll“, so Kailuweit. Darüber hinaus sei es wichtig, die Patientenrechte zu stärken. „Zwischen Patienten und Ärzten bzw. Versicherungen herrscht leider keine Waffengleichheit“, so Kailuweit. „Die Patienten, die falsch behandelt wurden, erfahren nicht nur ein großes persönliches Leid, sie müssen auch jahrelang für ihr Recht streiten“, erklärt der Vorstandschef.
Um die Fehlerquote zu reduzieren, hat die KKH-Allianz zusammen mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Niedersachsen ein Patientensicherheits-Projekt entwickelt. Bei dem Programm für Kliniken werden Sicherheitsstandards aus der Luftfahrt in den OP-Bereich übertragen und kritische Situationen im Vorfeld trainiert. „Luftfahrt und Medizin haben identische Fehlerquellen. Deshalb trainieren Piloten und Mediziner bei dem Projekt gemeinsam das OP-Personal“, erklärt Kailuweit. Und das mit Erfolg, wie erste Ergebnisse in einem ähnlichen Projekt zeigen: Die Sterblichkeit bei Operationen geht um 47 Prozent zurück, die Komplikationsrate sinkt um 36 Prozent und auch die chirurgischen Infektionen nehmen um 45 Prozent ab.
Die häufigsten Behandlungsfehler:

Hüft- und Kniegelenke
Arm- und Beinbrüche
Krebserkrankungen

Die Ursachen:

überfordertes Personal
hohe Arbeitsbelastung
unzureichende Aus- und Fortbildung
mangelnde Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften
ein veraltetes Hierarchiedenken
Koordinationsdefizite

Finanzieller Schaden:

durchschnittlich 22.000 Euro pro Fall bei der KKH-Allianz (durch längere Ausfallzeiten, zusätzliche Behandlungskosten und Reha-Maßnahmen)

Die KKH-Allianz ist Deutschlands viertgrößte bundesweite Krankenkasse mit über zwei Millionen Versicherten. Sie gilt als Vorreiter für innovative Behandlungsmodelle in der gesetzlichen Krankenversicherung. Rund 4.400 Mitarbeiter bieten einen exzellenten Service, entwickeln zukunftsweisende Gesundheitsprogramme und unterstützen die Versicherten bei der Entwicklung gesundheitsfördernder Lebensstile. Als eine der ersten gesetzlichen Krankenkassen hat sich das Unternehmen auf den Qualitätsprüfstand des unabhängigen Versicherungsprüfers Assekurata gestellt und konnte das sehr gute Gesamturteil auch im Folgerating bestätigen. Exklusiver Kooperationspartner der KKH-Allianz ist die Allianz Private Krankenversicherung. Das jährliche Haushaltsvolumen beträgt knapp fünf Milliarden Euro. Hauptsitz der KKH-Allianz ist Hannover.

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Präsentation des 12. Berliner Dialogs zur Patientensicherheit : http://www.kkh-allianz.de/index.cfm?pageid=682

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