Schüler leiden unter Schlägen und Schikane

1. DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“
2. Schüler leiden unter Schlägen und Schikane

1. DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“
Mobbing und Gewalt an Schulen – Hintergrundinformationen zur
Schülerbefragung der Leuphana Universität Lüneburg
Die DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“ unterstützt
insgesamt 30 Schulen bundesweit bei ihrer Entwicklung zu gesunden und
leistungsstarken Organisationen. Die ersten zehn Schulen, deren
Schülerbefragung der vorliegenden Presseerklärung zugrunde liegt, starteten
im Januar 2008. Zwei weitere Jahrgänge folgen jeweils im Januar 2009 und 2010. Die teilnehmenden Schulen werden drei Jahre lang kontinuierlich begleitet und bei der Arbeit an selbst gewählten Themen der Gesundheitsförderung und Qualitätsentwicklung unterstützt. Diese Initiative wird von der DAK finanziert und wissenschaftlich von der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführt.
Durch einen umfassenden und systematischen Prozess sollen Lern- und Entwicklungsprozesse initiiert und verstetigt werden. Gesundheits- und leistungsgefährdende Belastungen sollen reduziert und die individuellen und organisationalen Ressourcen bei allen Mitgliedern der Schulen gestärkt werden. Das Angebot umfasst die Prozessbegleitung, Expertenberatung zu gesundheitsrelevanten Themen und die Gestaltung von Fortbildungen. Für die Projektschulen ist die Teilnahme kostenfrei. Die Schulen müssen sich für die Teilnahme an der dreijährigen DAK-Initiative bewerben. Neben den Schülern werden auch die Eltern, Lehrer und das sonstige Schulpersonal befragt.

Stichprobe

Die Leuphana Universität führte im Auftrag der DAK von April bis Mai 2008 eine Befragung der ersten zehn Projektschulen durch. Ziel dieser Befragung ist es, die Stärken und Entwicklungsbereiche der Schulen und der Schulbeteiligten zu identifizieren. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Schulentwicklung mit dem Fokus Gesundheitsförderung und Schulqualität. Die Befragungsergebnisse werden den Schulen in einer Auftaktveranstaltung zurückgemeldet und dienen als Grundlage für die Auswahl der Themenschwerpunkt an der Schule.

In die Stichprobe befinden sich acht weiterführende Schulen, Grundschulschüler wurden nicht befragt. Pro Schule können 300 bis 400 Schüler an der Befragung teilnehmen. Jede Schule wählt für die Befragung drei oder mehr Klassenstufen aus. Die Befragung findet in einer Doppelstunde unter Aufsicht der Lehrer statt. Die Lehrer dürfen keine inhaltlichen Auskünfte geben, sollten aber für Verständnisfragen zur Verfügung stehen. Alle Schüler können freiwillig und anonym an der Befragung teilnehmen. Die Schüler unter 18 Jahren benötigen zusätzlich die Zustimmungserklärung der Eltern.

Rücklauf

Von 2477 versendeten Schülerfragebogen wurden 1964 zurück gesendet. Der Gesamtrücklauf für die Schülerbefragung war mit 79,3 % sehr hoch.

Altersverteilung und Geschlecht der Schüler
In der Pressemitteilung wurden nur die Schüler bis 18 Jahre berücksichtigt. Dadurch verringert sich die Gesamtzahl der Schüler in der Stichprobe um etwas mehr als 100 Schüler. Jungen sind vor allem bei den 17 und 18-Jährigen überrepräsentiert. Die Anzahl der Jungen bei den 17- bis 18 Jährigen ist um das 2,5-fache höher als die Anzahl der Mädchen (vgl. Abb 1). Das Durchschnittsalter der Schüler beträgt 14,6 Jahre.

        • Mädchen
        • Jungen
Anzahl Schüler (N) N % N %
Gesamt 1859 801 43,2 1055 56,8
10-13-Jährige 721 332 46 389 54
14-17-Jährige 950 434 45,7 516 54,3
18-Jährige 185 35 18,9 150 81,1

Abb. 1: Altersverteilung und Geschlecht der Schüler

Anzahl der Schüler in den Klassenstufen (ohne Berufsschüler)

Jede Schule kann drei und mehr Klassenstufen nach Bedarf oder Interesse auswählen. Dabei kommt es zu einer ungleichen Verteilung der Klassenstufen. Circa zwei Drittel der befragten Schüler gehen in die 6., 7. und 8. Klasse. Weniger als 1 Prozent der Stichprobe ist Schüler der 5. Klasse und 6 Prozent gehen in die 11. Klasse (vgl. Abb.2). Da Berufsschulen in zum Teil sehr differenzierten Bildungsgängen strukturiert sind, werden diese in der Darstellung nicht berücksichtigt.

Klassenstufe Anzahl der Schüler (N) Gültige Prozente Kumulierte Prozente
Klasse 5 10 0,7 0,7
Klasse 6 402 27,7 28,4
Klasse 7 296 20.4 48,7
Klasse 8 271 18,7 67,4
Klasse 9 193 13,3 80,7
Klasse 10 192 13,2 93,9
Klasse 11 89 6,1 100
Gesamt 1453 100
Keine Angaben zur Klassenstufe 9

Abb. 2: Verteilung der Schüler nach Klassenstufen A

Beschreibung der Schulen
Die Schulen liegen in vier Bundesländern; die Mehrzahl davon in Hessen (5) und jeweils eine Schule in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. In jedem Startjahrgang wurden ein oder zwei Bundesländer als Schwerpunkte ausgewählt, um den Schulen gute Voraussetzungen für eine Vernetzung zu gewährleisten.
In der Stichprobe setzt sich zusammen aus:
1 Hauptschule
1 Realschule
2 Gesamtschulen (Integrative GS und Koopertative GS)
2 Gymnasien
2 Berufsbildende Schulen
Aufgrund der geringen Schulstichprobe (N=8) können in der Pressemitteilung keine schulformspezifischen Auswertungen dargestellt werden.

Hintergrundinformation zur Erfassung von Gewalt und Mobbing
Gewalt

Definition: Gewalt bezeichnet eine Handlung, die auf die Verletzung eines anderen Menschen zielt. Die physische Gewalt ist die Schädigung eines oder mehrerer Menschen durch körperliche Kraft und Zwangsmitteln (z.B. Waffen) (Hurrelmann 2007).
Erfassung: Im Fragebogen wird die Definition von Gewalt für die Schüler genauer beschrieben. Häusliche Gewalt wird nicht erfasst. Die Schüler erhalten den folgenden Einleitungstext:
„In den nächsten Fragen geht es um „Gewalt“. Mit „Gewalt“ sind hier Schlägereien und Raufereien zwischen Schülerinnen und Schülern in der Klasse, auf dem Schulgelände oder auf dem Schulweg gemeint.“
Darauf folgt jeweils ein Item für die Täter und für die Opfer von Gewalt.
Gewaltopfer: Wie oft wurdest du in den letzten 3 Monaten Opfer von Gewalt?
Gewalttäter: Wie oft warst du in den letzten 3 Monaten gewalttätig gegenüber anderen?
Antwortformat: Die Schüler haben die Möglichkeit mit nie, einmal oder mehrmals zu antworten. Wenn sie mehrmals ankreuzen sollten, so werden sie zusätzlich gebeten, die Häufigkeit wiederzugeben.

Mobbing

Definition: Der Begriff Mobbing stammt von dem englischen Verb „to mob“ = schikanieren, anpöbeln. Kommt es über einen längeren Zeitraum wiederholt zu Schikanierung und fertig Machen spricht man von Mobbing (in der Fachliteratur: Bullying), einer Form der psychischen Gewalt, die sich als dauerhaftes Drangsalieren und Quälen wiederholt an einzelne Opfer richtet, die sich aufgrund ihrer Unterlegenheit nicht oder kaum zur Wehr setzen können (Olweus 1996). Einmalige Ereignisse dürfen daher nicht als Mobbing angesehen werden.
Erfassung: Im Fragebogen wird das Wort „Mobbing“ nicht erwähnt. Stattdessen wird Mobbing mit „Schikanieren oder fertig Machen“ umschrieben. Im Einleitungstext wird definiert, was damit gemeint ist:
Hier sind ein paar Fragen, bei denen es um das „Schikanieren und fertig Machen“ von anderen geht. Von „schikanieren und fertig Machen“ sprechen wir, wenn ein Schüler oder eine Schülerin eine/n andere/n schlecht behandelt, beleidigt oder beschimpft. Mit „schikanieren und fertig Machen“ ist auch gemeint, jemanden wiederholt zu ärgern oder aus einer Gemeinschaft auszuschließen.
Darauf folgt jeweils ein Item für die Täter und für die Opfer von Gewalt:
Mobbingopfer: Wie oft wurdest du in den letzten 3 Monaten von Mitschülerinnen/Mitschülern schikaniert, fertig gemacht?
Mobbingtäter: Wie oft hast du in den letzten 3 Monaten von Mitschülerinnen/Mitschülern schikaniert, fertig gemacht?
Antwortformat: Die Schüler haben die Möglichkeit mit nie, einmal oder mehrmals zu antworten. Wenn sie mehrmals ankreuzen sollten, so werden sie zusätzlich gebeten, die Häufigkeit wiederzugeben.

Gewalt und Mobbing – Vorkommen

In einem Zeitraum von 3 Monaten machen mehr als die Hälfte aller Schüler in der Schule Erfahrungen mit Mobbing, sei es als Täter, als Opfer oder als beides. Erfahrungen mit körperlicher Gewalt in der Schule haben rund ein Fünftel gemacht.
Dargestellt werden alle Schüler in Prozent die angeben, mindestens einmal innerhalb der letzten drei Monate Opfer oder Täter von Gewalt oder Mobbing gewesen zu sein. Etwa die Hälfte der Mädchen und Jungen haben Erfahrungen mit Mobbing. Erfahrungen mit Gewalt haben ein Viertel der Jungen und ein Zehntel der Mädchen (Abb.3).

weiblich männlich Gesamt
Keine Erfahrung mit Gewalt oder Mobbing 51,8% 39,2% 44,7%
Erfahrung mit Gewalt oder Mobbing 48,2% 60,8% 55,3%
Erfahrungen mit Gewalt 11,4% 26,4% 19,9%
Erfahrungen mit Mobbing 46% 57,1% 52,3%
Anzahl der Schüler (N) 791 1038 1829

Abb. 3: Erfahrungen mit Mobbing oder Gewalt als Opfer oder Täter

Opfer von Mobbing und Gewalt

Die Opfer von Mobbing
In einem Zeitraum von 3 Monaten erlebt fast jeder dritte Schüler mindestens eine Situation, in der er von anderen Schülern schikaniert und fertig gemacht wird. 12 Prozent der Schüler berichten sogar, dass sie wiederholt durch andere Schüler fertig gemacht oder beleidigt wurden. Die Jungen werden mit 13 Prozent etwas häufiger Mobbingopfer als die Mädchen mit 11 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Jungen und Mädchen wurden nicht schikaniert oder fertig gemacht (Abb.4).

Wie oft wurdest du in den letzten drei Monaten schikaniert, fertig gemacht? weiblich männlich Gesamt
Nie 68,1% 69,3% 68,7%
Einmal 21,3% 17,3% 19,0%
Mehrmals 10,6% 13,4% 12,2%
Einmal und Mehrmals 31,9% 30,7% 31,2%
Anzahl der Schüler (N) 794 1044 1840

Abb.4: Mobbingopfer in Prozent

Die Opfer von Gewalt
In einem Zeitraum von drei Monaten erlebt fast jeder zehnte Schüler eine Situation, in der er Opfer von Gewalt wird. Die Jungen sind im Vergleich zu den Mädchen mit 4 Prozent doppelt so häufig Mehrfach-Opfer von Gewalt. 90 Prozent der befragten Schüler geben an, kein Opfer von Gewalt zu sein (Abb.5).

    • Wie oft wurdest du in den letzten 3 Monaten Opfer von Gewalt? weiblich männlich Gesamt
      Nie
      92,5%
      88,6%
      90,3%
      Einmal
      5,3%
      7,2%
      6,3%
      Mehrmals
      2,3%
      4,2%
      3,4%
      Ein- und mehrmals
      7,5%
      11,4%
      9,7%
      Anzahl der Schüler (N)
      798
      1045
      1843

Abb.5: Gewaltopfer in Prozent
Einschätzungen der Schulkultur und der Gesundheit der Mobbingopfer
Die Folgen von Mobbing und Gewalt können gravierend sein für die Opfer. Dabei unterscheidet sich der Gesundheitsstatus der Gewaltopfer nicht signifikant von den Mobbingopfern. Im Vergleich zu den Nicht-Opfern schneiden jedoch beide deutlich (signifikant) ungünstiger ab als die Nicht-Opfer – was als Folge der körperlichen und/ oder psychischen Gewalt interpretiert werden kann.

Einfluss von Opfererfahrung auf die Wahrnehmung der Schulkultur
Opfer von Mobbing und Gewalt unterscheiden sich von Nicht-Opfern in ihrer Einschätzung des Schulklimas, insbesondere des Schülersozialklimas.

Das Lehrerverhalten und Schulklima wird negativer eingeschätzt. 47% der Mobbingopfer (mehrmals) nehmen die Lehrkräfte als restriktiv oder bloßstellend war.
Das Schülersozialklima, die Einschätzung der Schüler miteinander, wird von den Opfern deutlich negativer eingeschätzt als von der Gruppe der Nicht-Opfer.
Die Mobbingopfer geben an weniger gern in die Schule zu gehen und mehr als die Hälfte haben Prüfungsangst, können sich zum Beispiel vorstellen, bei weniger Angst, bessere Leistungen zu erbringen.

Einfluss von Opfererfahrungen auf die Gesundheit
Opfer von Mobbing und Gewalt unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Gesundheit (körperlich, psychisch, sozial) deutlich von Nicht-Opfern. Sie verfügen über weniger Ressourcen und sind schlechter ausgerüstet für den Umgang mit Schwierigkeiten.

  • Die körperliche Gesundheit ist schlechter bei Opfern im Vergleich zu den Nicht-Opfern. Die Mobbingopfer beschreiben ihren Gesundheitszustand und ihre körperliche Leistungsfähigkeit am schlechtesten und sind am wenigsten zufrieden mit ihrem Aussehen. 14 Prozent der Mobbingopfer leiden unter regelmäßig auftretenden psychovegetativen Beschwerden (z.B. Kopf-, Rücken-, oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen) im Vergleich zu 4 Prozent der Nicht-Opfer. 15 Prozent schätzen ihre Leistungsfähigkeit schlecht oder eher schlecht ein.
  • Bei der psychischen Gesundheit ist die allgemeine Selbstwirksamkeits-erwartung (Selbstvertrauen in die grundsätzliche Fähigkeit mit Schwierigkeiten umgehen zu können) um dreizehn Prozentpunkte geringer ausgeprägt als bei Nicht-Opfern. Vermeidendes Bewältigungsverhalten wird fast doppelt so häufig eingesetzt: 30 Prozent der Mobbingopfer stimmen zu, dass sie sich eher zurückziehen, Probleme nicht anmerken lassen und das Gefühl haben, ja doch nichts ändern zu können.
  • Die soziale Gesundheit und damit der Zugang zu sozialen Ressourcen wird negativer eingeschätzt. Sie schätzen ihre Fähigkeit, Freundschaften schließen zu können schlechter ein als Nicht-Opfer. 12 Prozent der Mobbing Opfer geben an nie oder selten etwas mit Freunden in der Woche zu unternehmen (im Vergleich zu 4,3 Prozent bei Nicht-Opfern). 15 Prozent der Mobbing Opfer stimmen eher oder völlig zu, dass sie kein Mensch versteht.

Täter von Mobbing und Gewalt

Die Täter von Mobbing
Jedes fünfte Mädchen und jeder vierte Junge haben in den letzten 3 Monaten andere einmal schikaniert oder fertig gemacht. 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben andere mehrfach gemobbt. Jeder fünfte Junge gibt an, andere mehrfach gemobbt zu haben (Abb.6).

Wie oft hast du in den letzten 3 Monaten andere schikaniert, fertig gemacht? weiblich männlich Gesamt
Nie
73,2%
54,9%
62,8%
Einmal
19,4%
25,1%
22,6%
Mehrmals
7,4%
20,1%
14,6%
Einmal und Mehrmals
26,8%
45,1%
37,2%
Anzahl der Schüler (N)
794
1041
1835

Abb.6: Mobbingtäter in Prozent

Die Täter von Gewalt

85 Prozent der Schülerinnen und Schüler geben an, keine Gewalthandlungen in den letzten drei Monaten ausgeübt zu haben. Jungen greifen häufiger zu körperlicher Gewalt als Mädchen. Jeder fünfte Junge war einmal oder häufiger gewalttätig. 5 Prozent der Jungen griffen mehrfach zu Gewalt (Abb.7).

Wie oft warst du in den letzten 3 Monaten gewalttätig gegenüber anderen? weiblich männlich Gesamt
Nie
93,5%
78,5%
85,0%
Einmal
4,9%
16,5%
11,4%
Mehrmals
1,6%
5,1%
3,6%
Einmal und Mehrmals
6,5%
21,5%
15,0%
Anzahl der Schüler (N)
798
1045
1843

Abb.7: Gewalttäter in Prozent

Einschätzung der Schulkultur durch die Mobbingtäter

Schüler, die andere mobben, schätzen das Lehrerverhalten negativer ein als Schüler, die nicht mobben. Zum Beispiel stimmen sie häufiger zu, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen oder benachteiligen.

Das Schulklima wird vor allem von den Mehrfachtätern im Vergleich zu den Nichttätern und Einmaltätern negativer eingeschätzt.
Es finden sich bedeutsame Unterschiede in der Einschätzung des Schülersozialklimas. Der Umgang der Schüler miteinander wird von den Mobbingtätern negativer eingeschätzt.
Mobbingtäter sind weniger zufrieden mit Ihren Schulleistungen, haben deutlich weniger Lust auf Schule als Nicht-Täter. Mehrfache Täter fühlen sich nicht besonders mit der Schule verbunden und sind weniger zufrieden mit der Schule als Nicht- und Einmaltäter.

Literatur:

Hurrelmann, Klaus & Heidrun Bründel (2007): Gewalt an Schulen. Pädagogische Antworten auf eine soziale Krise. Beltz Verlag: Weinheim & Basel
Olweus, Dan (2007): Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. Hans Huber: Bern

2. Schüler leiden unter Schlägen und Schikane
DAK-Studie zu Mobbing und Gewalt: 55 Prozent aller Kinder und Jugendlichen
sind Täter oder Opfer / Betroffene öfters krank
Schüler in Deutschland leiden nicht nur unter Prüfungsangst und
Leistungsdruck. Viele Kinder und Jugendliche werden von Klassenkameraden so
schikaniert, dass darunter ihre Gesundheit deutlich leidet. Nach einer
neuen DAK-Studie gehören Mobbing und Gewalt zum Schulalltag. 55 Prozent
aller Schüler waren innerhalb der letzten drei Monate selbst Opfer oder
Täter. Das zeigt eine aktuelle Befragung von über 1.800 Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren, die die Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der Krankenkasse an acht Schulen in vier Bundesländern durchgeführt hat.

Fast jeder dritte Schüler (31,2 Prozent) gibt an, in letzter Zeit mindestens einmal „fertig gemacht oder schikaniert“ worden zu sein, wobei der Anteil der betroffenen Jungen und Mädchen nahezu gleich war. Mobbing ist eine Form der psychischen Gewalt, die sich als dauerhaftes Quälen wiederholt an einzelne Opfer richtet, die sich nicht oder kaum zur Wehr setzen können. Zwölf Prozent der Schüler berichten, dass sie Opfer von mehrfachen Attacken wurden. Als Täter von Mobbinghandlungen sehen sich 37 Prozent der Kinder und Jugendlichen, wobei 14,5 Prozent auch mehrfach aktiv waren.

15 Prozent der Befragten setzen selbst körperliche Gewalt gegen Mitschüler ein, davon jeder vierte auch mehrfach. Jeder zehnte Schüler ist mindestens einmal zum Opfer von Schlägereien und Raufereien in der Klasse, auf dem Schulgelände oder auf dem Schulweg geworden. Der Anteil der Jungen liegt mit 11,4 Prozent deutlich über dem der betroffenen Mädchen (7,5 Prozent).

Schlechte Gesundheit bei Mobbingopfern

„Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie bestätigen andere Mobbing-Untersuchungen und zeigen den großen Handlungsbedarf bei der Gewaltprävention an Schulen“, erklärt Dr. Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement.

„Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass sich Mobbing und körperliche Gewalt in vergleichbarem Maße negativ auf die Gesundheit der Opfer auswirken. In beiden Fällen können die Folgen gravierend sein.“ Im Vergleich zu den anderen Schülern beschreiben die Betroffenen ihren Gesundheitszustand und ihre körperliche Leistungsfähigkeit als deutlich schlechter und sind unzufrieden mit ihrem Aussehen. Zudem sind viele Schüler sozial isoliert. Im Vergleich zu Nicht-Opfern geben Mobbing-Opfer dreimal häufiger an, nie oder selten etwas mit Freunden in der Woche zu unternehmen.

Wenig Unterstützung durch Lehrkräfte

Beim Mobbing spielen offensichtlich die Schulkultur und das Verhalten der Lehrer eine große Rolle. Mobbingtäter geben an, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen oder benachteiligen. Die Täter sind weniger zufrieden mit ihren Schulleistungen und haben deutlich weniger Lust auf Schule als Nicht-Täter. Mehr als jedes zweite Opfer von Mobbing und Gewalt gibt an, dass es von den Lehrkräften nicht unterstützt wurde.

Die aktuelle Studie entstand im Rahmen der DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Dabei begleitet und berät die Leuphana Universität Lüneburg für die Krankenkasse inzwischen bundesweit 20 Schulen, die sich freiwillig für das dreijährige Projekt beworben haben. Die Gesundheitsziele werden von jeder Schule individuell festgelegt. Grundlage ist eine umfassende Befragung von Schülern, Lehrern und Eltern zum Schulalltag und Schulklima.

Gute Schulkultur kann Gewalt verhindern

„Die teilnehmenden Schulen sind keine Problemschulen, sondern ganz normale Einrichtungen“, erklärt Projektleiterin Anica Richardt von der Leuphana Universität Lüneburg. „ Unsere Befragung zeigt, dass Mobbing und Gewalt deutschlandweit zum Schulalltag gehören. Wer Gewalt verhindern will, muss sich insgesamt für eine gute Schulkultur einsetzen.“

In der Diskussion über Ursachen und Lösungen warnt die DAK vor Schnellschüssen. „Das Problem muss ganzheitlich angegangen werden“, betont Dr. Cornelius Erbe. Als sinnvollen Ansatz zur Gewaltprävention sieht die Krankenkasse folgende Punkte:

  • Klare und verbindliche Regeln für den Schulalltag, bei denen die Schüler mit einbezogen werden sollten.
  • Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern sollte von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt sein.
  • Unter den Schülern sollte die Fähigkeit zur gewaltfreien Konfliktlösung aufgebaut werden
  • Zu hoher Leistungsdruck sollte vermieden und Prüfungsangst abgebaut werden.

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TERMINE AUS DEM DAK-KALENDER
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26.06.2009    Internationaler Anti-Drogen-Tag

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