D.A.S. Verbrauchertipp Praktikum

Generation Praktikum
Billig, anspruchslos – aber auch rechtlos?

Berufsein- und -umsteiger machen immer häufiger ein Praktikum, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dabei unterscheidet man zwischen vorgeschriebenen Praktika  im Rahmen einer Ausbildung und solchen, die freiwillig oder im Anschluss an die Ausbildung absolviert werden. Pflichtpraktika unterliegen inhaltlich und zeitlich der jeweiligen Ausbildungs- oder Studienordnung, sind oft unbezahlt und grundsätzlich sozialversicherungsfrei. Die Beiträge zu einer eventuell bestehenden studentischen Krankenversicherung fallen jedoch weiterhin an.

Alle übrigen Praktika können frei ausgehandelt werden, allerdings besteht ein Anspruch auf angemessene Vergütung sowie Sozialversicherungspflicht. „Wenn man aber nicht mehr als 400 Euro im Monat bekommt, gilt das Praktikum als Minijob und der Arbeitgeber muss diese Versicherungsbeiträge alleine tragen“, weiß Anne Kronzucker, Rechtsexpertin der D.A.S., Europas Nr. 1 im Rechtsschutz.

Missverständnisse vermeiden, klare Absprachen treffen
Praktika dienen dazu, sich praktische Kenntnisse und Erfahrungen zur Vorbereitung auf einen bestimmten Beruf anzueignen, neue Berufe kennen zu lernen und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern aufzubauen. Zwar steht der Ausbildungszweck im Vordergrund, doch handelt es sich um keine systematische Berufsausbildung. „Diese Definition ist wichtig, um ein echtes Praktikum von einem möglicherweise ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnis zu unterscheiden“, erklärt die Rechtsexpertin. Klare Absprachen helfen beiden Seiten und sollten, obwohl nicht zwingend notwendig, besser schriftlich formuliert sein: So herrscht Transparenz bezüglich der Ziele, Dauer und Arbeitszeit, Vergütung sowie Urlaubsanspruch.

Arbeitszeitregeln für Minderjährige
Arbeits- und Ruhezeiten hängen vom Alter des Praktikanten ab: Minderjährige dürfen grundsätzlich nur wochentags zwischen 6 und 20 Uhr mit festgeschriebenen Ruhepausen und einem zeitlichen Abstand von zwölf Stunden zum nächsten Arbeitseinsatz beschäftigt werden. Für einige Branchen wie etwa das Bäckerhandwerk oder das Gaststättengewerbe gelten Ausnahmen. Volljährige Praktikanten werden in Bezug auf Arbeitszeiten wie reguläre Arbeitnehmer behandelt.
Kommt es im Rahmen eines Praktikums zu Rechtsstreitigkeiten, etwa um die Höhe des Entgelts oder das Arbeitszeugnis, ist das Arbeitsgericht zuständig. „Wenn möglich, sollte man aber versuchen, sich direkt zu einigen oder einen Vermittler einschalten, etwa den Betriebsrat oder eine Jugend- und Auszubildendenvertretung“, empfiehlt die D.A.S.-Expertin Kronzucker. Schließlich ist ein verärgerter Ex-Chef keine gute Visitenkarte…

Kurzfassung:

Auch Praktikanten haben Rechte
Schriftlicher Vertrag nicht erforderlich, aber ratsam

Praktika sind eine gute Möglichkeit, sich für den Berufseinstieg besser zu qualifizieren: in manchen Ausbildungsgängen sind daher Pflichtpraktika gang und gebe, die oft nicht bezahlt werden, dafür aber sozialversicherungsfrei sind. Praktika vor oder nach Abschluss der Ausbildung unterliegen dagegen der Versicherungspflicht. Die Höhe der Vergütung und alle anderen Details können frei vereinbart werden, dennoch haben Praktikanten gewisse Rechte: Dazu zählen Ansprüche auf angemessene Bezahlung, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub sowie ein schriftliches Zeugnis. Ist der Praktikant minderjährig, greifen strenge Arbeitszeitschutzklauseln: „Wer unter 18 Jahre alt ist, darf nur tagsüber zwischen 6 und 20 Uhr mit vorher genau festgelegten Pausen und einer Ruhezeit von zwölf Stunden bis zum nächsten Arbeitseinsatz beschäftigt werden“, weiß Anne Kronzucker, Rechtsexpertin der D.A.S., Europas Nr. 1 im Rechtsschutz. „Auch Tätigkeiten an Wochenenden und Feiertagen sind ausgeschlossen, obwohl für einige Branchen- wie das Gastgewerbe- Ausnahmeregelungen bestehen.“ Ein schriftlicher Praktikumsvertrag ist nicht vorgeschrieben, aber ratsam. Kommt es dennoch zu Streitigkeiten, sollte man zunächst eine gütliche Einigung suchen, eventuell unter Einbeziehung des Betriebsrats oder einer anderen vermittelnden Stelle. In letzter Konsequenz sind die Amtsgerichte zuständig.

Weitere Informationen zu rechtlichen Fragen erhalten Sie unter www.das-rechtsportal.de .

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