Wegen Gesundheitsreform droht Abwanderung zu Privatkassen

Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung könnte zu einer Abwanderungswelle gut verdienender Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen zu den Privaten führen. Grund dieser Befürchtung ist der sogenannte Basistarif, den private Versicherer künftig anbieten müssen. Der Basistarif könne „zu einer verstärkten Abwanderung der freiwillig gesetzlich Versicherten zu privaten Anbietern führen“, sagt Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), der ZEIT.

Nach der Reform müssten die Privatkassen gesetzlich Versicherten, deren Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 3563 Euro monatlich) liegt, einen Vertrag mit dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen anbieten. Der Tarif dafür dürfe nicht höher liegen als der maximale Beitrag, den ein gesetzlich Versicherter zahlt. Das sind zurzeit etwa 500 Euro monatlich. Doch die Unternehmen werden ihre Prämien auch innerhalb dieses Basistarifs je nach individuellem Risiko kalkulieren, sagt ein Sprecher des Verbands der privaten Kassen gegenüber der ZEIT. Jüngere und Gesunde würden dann deutlich weniger als den Höchstsatz zahlen. Damit bekämen ausgerechnet die gutverdienenden und vergleichsweise gesunden Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen einen starken Anreiz, ohne das Risiko steigender Prämien in die Privatversicherung zu wechseln.

Bei der Techniker Krankenkasse arbeite eine eigene „Task-Force Tarife“ bereits an neuen Wahltarifen, erklärt TK-Chef Klusen. Schon bisher hatte die TK ähnlich wie Private mit Optionen wie Selbstbehalten und Kostenerstattungen geworben. Zusätzliche Angebote sollen jetzt helfen, die zahlungskräftige Kundschaft zu halten.

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