Forsa-Umfrage: Deutsche gut über Depression informiert – das Seelenleiden ist kein Tabu mehr

Lange Zeit galten Depressionen in der Öffentlichkeit als Tabu. Seit jedoch immer mehr Menschen an dem Seelenleiden erkranken und auch Prominente sich zu ihrer Krankheit bekennen, hat sich das geändert. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) ergab: 60 Prozent der Deutschen fühlen sich generell sehr gut oder gut über das Thema Depression informiert. 40 Prozent haben sich sogar bereits selbst schon einmal über die Volkskrankheit informiert, weil jemand aus dem persönlichen Umfeld betroffen war (49 Prozent) oder weil sie selbst betroffen waren (27 Prozent).

67 Prozent der Befragten glauben, dass sie eine Depression bei sich oder einem anderen erkennen würden. Gleichzeitig konnten jedoch nur deutlich weniger Befragte wichtige Symptome wie gedrückte, traurige Grundstimmung (44 Prozent), Verlust von Interesse und Freude (37 Prozent) und verminderter Antrieb/Energieverlust (30 Prozent) nennen. „Obwohl sich die Befragten subjektiv schon gut informiert fühlen, scheint es hier einen weiteren gezielten Informationsbedarf über die genauen Merkmale einer Depression zu geben“, meinte der Depressionsforscher Prof. Dr. Dr. Martin Härter von der Universität Freiburg.

Nach Schätzungen von Experten leiden bundesweit mindestens vier Millionen Menschen an einer Depression. Das Umfrageergebnis spiegelt diese hohe Krankheitsrate wider. So gab fast jeder zweite Befragte an, dass er selbst einen Menschen in seiner Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis kennt, der schon einmal wegen einer Depression behandelt wurde.

Nur noch eine Minderheit hält eine Depression für eine „Lappalie“ (7 Prozent) oder „eigenes Versagen“ (8 Prozent). Die große Mehrheit der Befragten (rund 90 Prozent) weiß, dass eine Depression eine ernst zu nehmende Krankheit ist. 80 Prozent sagten, dass die Patienten dem Seelenleiden ohne äußere Unterstützung hilflos ausgeliefert sind. Auch Therapie-Optionen sind bekannt, zum Beispiel ärztliche Behandlung (83 Prozent) oder Psychotherapie (68 Prozent). Mehr als ein Drittel der Befragten stimmte allerdings dem Vorurteil zu, dass den Patienten „sich zusammenreißen“ helfe, wieder gesund zu werden.

Zwei von drei Befragten gaben an, dass sie sich zunächst an ihren Arzt oder Hausarzt wenden würden, falls sie einmal den Verdacht haben sollten, selbst depressiv zu sein. Die TK bindet Hausärzte künftig stärker in ihre integrierten Versorgungsprojekte zur Depression ein. Im „Versorgungsnetz Depression“ arbeiten Ärzte, Fachärzte und Kliniken sehr eng zusammen, um eine reibungslose und qualitativ hochwertige Therapie zu gewährleisten. Das gleiche gilt für das Projekt „Ganzheitsmedizin bei Depression“, das vor kurzem in Berlin und Nordrhein-Westfalen gestartet ist.

Für die repräsentative Untersuchung wurden zwischen dem 4. und 8. Dezember 2006 von Forsa 1.005 Personen ab 18 Jahren befragt.

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