GESUNDHEIT & MEDIZIN

1. Fluppe und Flasche im Doppelpack
2. Raucher auf dem Rückzug?

1. Fluppe und Flasche im Doppelpack
Rauchende Jugendliche tendieren zum exzessiven Trinken
Eine aktuelle Studie* brachte es jüngst ans Licht: Jugendliche rauchen und kiffen weniger, trinken jetzt aber mehr Alkohol. Die durch diese Studie nicht beleuchteten Aspekte zeigt eine Untersuchung der DAK** auf, deren Daten im Rahmen des Programms „Just be smokefree“ erhoben wurden: Jugendliche, die rauchen, greifen weitaus exzessiver zu Alkohol als Nichtraucher – vor allem die Elf- bis 15-Jährigen. Bei ihnen ist die Häufigkeit für das so genannte „Binge drinking“, bei dem fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander getrunken werden, fast fünfmal so hoch wie bei den nichtrauchenden Schülern (52 zu elf Prozent).

„Fluppe und Flasche scheinen bei vielen Jugendlichen einfach untrennbar zusammen zu gehören“, erklärt DAK-Diplom-Pädagoge Ralf Kremer. „Ganz nach dem Motto: das Eine geht nicht ohne das Andere. Auch bei den 16- bis 20-Jährigen konnten wir diese Tendenz feststellen.“ Diese Entwicklung ist besorgniserregend. Denn, neben den tabak- und alkoholbedingten Schäden sind auch soziale Folgen zu beklagen, wie beispielsweise Gewaltausbrüche.

Doch warum sind Rauchen und Trinken bei den Jugendlichen offenbar so eng miteinander verbunden? DAK-Experte Kremer verweist auf verschiedene Risikofaktoren als Grund für dieses Verhalten. “Die Alkohol- und Zigarettenwerbung suggeriert beispielsweise, dass der Konsum dieser Drogen die persönliche Attraktivität erhöht. Auch der Gruppendruck, dem der Jugendliche ausgesetzt ist, spielt eine nicht unerhebliche Rolle“, erklärt Kremer. Letztlich sind auch die leichte Verfügbarkeit von Alkohol und Zigaretten und bestimmte Persönlichkeitsaspekte, wie Unsicherheit und Sensationslust von Bedeutung. “Diesen Faktoren“, so Kremer, „widmen wir noch viel zu wenig Aufmerksamkeit!“

Für Jugendliche hat die DAK zwei spezielle Programme entwickelt, die sich mit den Themen Rauchen und Trinken befassen: „Just be smokefree“ und „Aktion Glasklar“. Sie sind kostenfrei und bieten jeweils eine jugendgerechte Aufbereitung des Themas – ohne erhobenen Zeigefinger. Unter www.justbesmokefree.de und www.aktionglasklar.de stehen Infos zur Verfügung. Gewinnspiele bieten einen zusätzlichen Anreiz, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch Schulen können die Programme in ihren Unterricht einbauen. Spezielle Broschüren können bei den DAK-Geschäftsstellen bezogen werden.

* Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD). Teilnehmer: Schülerinnen und Schülern der neunten und zehnten Klasse aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen.
** Studie im Rahmen von „Just be Smokefree“, 2007. Teilnehmer: 1.700 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Schulen in Schleswig-Holstein.

2. Raucher auf dem Rückzug?
Im Interview: Ralf Kremer, DAK-Suchtexperte und Diplom-Pädagoge
Seit sechs Jahren bietet die DAK mit „Just be smokefree“ ein in Deutschland einzigartiges Rauchstopp-Programm speziell für Jugendliche an. Neue Studien zeigen, dass der Trend zum Nichtrauchen geht. DAK-Suchtexperte Ralf Kremer
über Hintergründe und die Zukunft des Programms.

In der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen kam vor kurzem heraus, dass Jugendliche weniger rauchen. Können Sie diesen Trend bestätigen?
Ja, denn den Trend bestätigen auch weitere Studien, beispielsweise die der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei vielen Jugendlichen hat offensichtlich ein Umdenken in Sachen Rauchen eingesetzt.

Worauf führen Sie das zurück?
Unseres Erachtens spielen mehrere Faktoren dabei eine Rolle. Zum einen ist es die zunehmende öffentliche Diskussion über das Rauchen beziehungsweise Nichtrauchen. Das Thema wird einfach viel mehr wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Zum anderen sehen wir uns mit unserem Rauchstopp-Programm für Jugendliche bestätigt. Die öffentliche Diskussion hat den Boden geebnet. Mit „Just be smokefree“ konnten wir so einen guten Beitrag leisten und die Jugendlichen erfolgreich ansprechen.

Wie geht es mit „Just be smokefree“ weiter?
Der derzeitige Trend zum Nichtrauchen heißt für uns noch lange nicht, dass wir uns jetzt zurücklehnen können. Denn unsere eigene Schülerbefragung hat beispielsweise ergeben, dass rauchende Jugendliche dazu neigen, exzessiv zum Alkohol zu greifen, oder dass viele Mädchen rauchen, um schlank zu bleiben. Gerade in solchen Fällen gibt es noch viel Aufklärungs- und Handlungsbedarf. Für uns Grund genug, weiterhin mit den Jugendlichen, aber auch mit Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern im Gespräch zu bleiben.

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